Seide
Cyanotypie | 70x100cm | 2023
Eine Arbeit über das Erinnern und das Festhalten. „[…] Seide kann man nicht greifen, sie rinnt durch die Finger wie Sand […]“ – Paula Hartmann, Seidenkleid
Ich stehe im einem der vielen Stoffläden in Nachalat Binyamin. Die farbigen Stoffballen stapeln sich bis unter die Decke des 5 Meter hohen Ladens. Manche haben Perlen aufgestickt, andere Pailletten und wieder andere sind dünne Jersey Stoffe. Sie sind nach Farben sortiert und bilden in der Masse hoch vor dem Fenster gestapelt fast Farbverläufe. Ich fahre mit den Fingern über die Ballen und spüre die unterschiedlichen Oberflächen der verschiedenen Stoffe unter meinen Fingern. Auf der Suche nach einem weißen durchsichtigen Stoff, so wie eine Gardine. Nahe dem Eingang stehen hohe Rollen mit dünnen aufgerollten weißen Stoffen. Die zarten Stoffe können sich nur durch das feste Aufwickeln auf der Rolle halten, die Enden hängen herunter. Ich greife nach verschiedenen Stoffen bis ich einen schimmernden transparenten weißen Seidenstoff in der Hand habe. So dünn, dass ich kaum bemerke, dass er im nächsten Moment aus meinen Fingern gleitet. Wie eine Erinnerung, denke ich. Sie scheint so greifbar und man versucht sie zu halten oder sich genau zu erinnern an ein Gefühl oder das Gefühl auf der Haut oder das Gefühl in sich selbst. Aber dann entzieht sie sich, ganz plötzlich und verschwindet. Slicha, sage ich, um die Aufmerksamkeit des Verkäufers auf mich zu ziehen. Ani rotza stemesre meter, bewakasha. Beim Abmessen gleitet Meter für Meter auf den Tisch und die über den Rand hängende Seide rutscht hinunter auf den Boden. Zwölf Meter Seide werden in eine rosane Plastiktüte gesteckt. Ich lege meine Kreditkarte auf das Kartenlesegerät und mit einem Piepen wird ein Beleg gedruckt. Der Mann überreicht mir die Tüte und mit ihr in der Hand verlasse ich den Laden.
I am standing in one of the many fabric stores in Nachalat Binyamin. The colorful bales of fabric are piled up to the ceiling of the 5 meter high store. Some have beads embroidered on them, others have sequins, and still others are thin jersey fabrics. They are sorted by color and, stacked high in front of the window, almost form color gradients in the mass. I run my fingers over the bales and feel the different surfaces of the various fabrics under my fingers. Looking for a white sheer fabric, like a curtain. Near the entrance are tall rolls of thin rolled up white fabrics. The delicate fabrics can only hold themselves by being tightly wound on the roll, the ends hanging down. I reach for different fabrics until I have a shimmering transparent white silk fabric in my hand. So thin that I barely notice it slipping from my fingers the next moment. Like a memory, I think. It seems so tangible and you try to hold it or remember exactly a feeling or the feeling on your skin or the feeling inside yourself. But then it slips away, all of a sudden, and disappears. Slicha, I say, to attract the attention of the seller. Ani rotza stemesre meter, bewakasha. As I measure, meter after meter slides onto the table and the silk hanging over the edge slides down to the floor. Twelve meters of silk are placed in a pink plastic bag. I place my credit card on the card reader and with a beep a receipt is printed. The man hands me the bag and with it in my hand I leave the store.
Stremesre Meter
Cyanotypie | 70x100cm | 2023
Eine Arbeit über das Erinnern und das Festhalten. „[…] Seide kann man nicht greifen, sie rinnt durch die Finger wie Sand […]“ – Paula Hartmann, Seidenkleid
Ich stehe im einem der vielen Stoffläden in Nachalat Binyamin. Die farbigen Stoffballen stapeln sich bis unter die Decke des 5 Meter hohen Ladens. Manche haben Perlen aufgestickt, andere Pailletten und wieder andere sind dünne Jersey Stoffe. Sie sind nach Farben sortiert und bilden in der Masse hoch vor dem Fenster gestapelt fast Farbverläufe. Ich fahre mit den Fingern über die Ballen und spüre die unterschiedlichen Oberflächen der verschiedenen Stoffe unter meinen Fingern. Auf der Suche nach einem weißen durchsichtigen Stoff, so wie eine Gardine. Nahe dem Eingang stehen hohe Rollen mit dünnen aufgerollten weißen Stoffen. Die zarten Stoffe können sich nur durch das feste Aufwickeln auf der Rolle halten, die Enden hängen herunter. Ich greife nach verschiedenen Stoffen bis ich einen schimmernden transparenten weißen Seidenstoff in der Hand habe. So dünn, dass ich kaum bemerke, dass er im nächsten Moment aus meinen Fingern gleitet. Wie eine Erinnerung, denke ich. Sie scheint so greifbar und man versucht sie zu halten oder sich genau zu erinnern an ein Gefühl oder das Gefühl auf der Haut oder das Gefühl in sich selbst. Aber dann entzieht sie sich, ganz plötzlich und verschwindet. Slicha, sage ich, um die Aufmerksamkeit des Verkäufers auf mich zu ziehen. Ani rotza stemesre meter, bewakasha. Beim Abmessen gleitet Meter für Meter auf den Tisch und die über den Rand hängende Seide rutscht hinunter auf den Boden. Zwölf Meter Seide werden in eine rosane Plastiktüte gesteckt. Ich lege meine Kreditkarte auf das Kartenlesegerät und mit einem Piepen wird ein Beleg gedruckt. Der Mann überreicht mir die Tüte und mit ihr in der Hand verlasse ich den Laden.
Stremesre Meter
Cyanotype | 70x100cm | 2023
A work about remembering and holding on. "[...] Silk cannot be grasped, it runs through the fingers like sand [...]" - Paula Hartmann, Silk Dress
I am standing in one of the many fabric stores in Nachalat Binyamin. The colorful bales of fabric are piled up to the ceiling of the 5 meter high store. Some have beads embroidered on them, others have sequins, and still others are thin jersey fabrics. They are sorted by color and, stacked high in front of the window, almost form color gradients in the mass. I run my fingers over the bales and feel the different surfaces of the various fabrics under my fingers. Looking for a white sheer fabric, like a curtain. Near the entrance are tall rolls of thin rolled up white fabrics. The delicate fabrics can only hold themselves by being tightly wound on the roll, the ends hanging down. I reach for different fabrics until I have a shimmering transparent white silk fabric in my hand. So thin that I barely notice it slipping from my fingers the next moment. Like a memory, I think. It seems so tangible and you try to hold it or remember exactly a feeling or the feeling on your skin or the feeling inside yourself. But then it slips away, all of a sudden, and disappears. Slicha, I say, to attract the attention of the seller. Ani rotza stemesre meter, bewakasha. As I measure, meter after meter slides onto the table and the silk hanging over the edge slides down to the floor. Twelve meters of silk are placed in a pink plastic bag. I place my credit card on the card reader and with a beep a receipt is printed. The man hands me the bag and with it in my hand I leave the store.